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Kirche St. Blasien

Drei Jahre nach dem Tod des Hl. Altmann wurde das Stift Göttweig 1094 in eine Benediktinerabtei umgewandelt. Die ersten Mönche entsandte das Kloster St. Blasien im Schwarzwald.
Sie erbauten die Kirche St. Blasien in Klein Wien, die im 15. Jahrhundert gotisiert und 1733 zum Teil barockisiert wurde.
Der Altar stammt aus 1610, das Chorgestühl aus dem Beginn des 17. Jahrhunderts ist das alte des Stiftes Göttweig. Die Orgel (4 Register)  wurde 1736  angekauft.

Um die Kirche erstreckt sich ein  malerischer Bergfriedhof. Die Friedhofsverwaltung für die Pfarre hat Heidelinde Novotny aus Hörfarth inne (Tel.: 02736/7549).

In Klein Wien gab es bis zu dessen Verlegung nach Göttweig um 1200 ein Frauenkloster, dessen berühmteste Nonne von 1124 bis 1142 Herzogin Gerbirg war, Schwester Markgraf Leopolds III. und Witwe des böhmischen Herzogs Boriwoy.
Bei diesem Kloster soll auch die 1127 verstorbene Frau Ava, erste Dichterin in deutscher Sprache, als Inklusin gelebt haben. An sie erinnert der Ava-Turm, heute im Besitz des Verlegers Dr. Hubert Hladej (Dachs-Verlag) und seiner Gattin Mag. Johanna Hladej.

In Klein Wien steht Österreichs erste aus Beton erbaute Villa. Sie wurde 1901 vom Jugendstil-Architekten Carlo von Boog errichtet.

                         
              Kirche St.Blasien                                     Martyrium des Hl.Blasius                     Bischof Blasius und Apostel Johannes         

                

                                            

Zur Geschichte von St. Blasien in Klein-Wien

    (Im  März 2004 - von P.Udo Fischer)

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   Der Hl.  Blasius soll am 3. Februar 308 in Sebate (Armenien) den  Martertod erlitten haben. Um 855 schenkte Papst Leo IV. dem  Kloster Rheinau den “Leichnam des Hl. Blasius”. Wenige Jahre  später brachte ein Mönch Reliquien nach Albzelle, dem späteren  St. Blasien im Schwarzwald.

   

    

    

 

       Bischof  Altmann stand mit dem Benediktinerkloster St. Blasien im  Schwarzwald in engster Verbindung. Dessen weltlicher  Schutzherr Rudolf von Schwaben wurde mit Altmanns  Unterstützung zum Gegenkönig (gegen Heinrich IV.)  gewählt.

   Bischof  Meinwerk von Paderborn, der Heimat Altmanns, hat 1014 (um  diese Zeit wurde Altmann geboren) eine bedeutende  Blasius-Reliquie erhalten, die den Blasius-Kult dort in die  Höhe trieb.

    

     Romanische Kirche

   

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  Die Fundamente der romanischen Blasius-Kirche wurden im Jänner 2004 bei den Renovierungsarbeiten entdeckt. Dass es vor der heutigen gotischen Kirche eine romanische gab, belegen nur zwei Dokumente im Göttweiger Archiv:

   1) Die um 1130 geschriebene Vita Altmanni (Lebensbeschreibung des Hl. Altmann) beschreibt die acht Göttweiger Kirchen: “...die siebente oder St, Blasius-Kirche steht am Fuße des Berges an einem kleinen Bach; dort befindet sich das Haus der Schwestern und die Herberge jener Brüder, die in der Mühle oder Bäckerei Dienst tun.”

   2) Unter Abt Heinrich von Meidling verleiht Bischof Bernhard von Passau allen einen Ablass, die die “Kapelle zu St. Blasius” am Jahrestag ihrer Weihe, am Fest des Hl. Blasius (3.2.) und an den vier Haupt-Marienfesten besuchen, dort beichten

   Wer hat die  Blasius-Kirche gebaut? Noch Bischof Altmann (1065-1091),  der auch bei Passau eine Blasius-Kirche errichtet hat oder die  Mönche aus St. Blasien im Schwarzwald, die drei Jahre nach  Altmanns Tod (1094) Göttweig besiedelten?

   Das Haus  der Schwestern war das (damals in Kl.Wien bestehende und  um 1200 auf den Göttweiger Berg verlegte) Nonnenkloster.  Dessen bedeutendste Nonne von ca. 1125 bis 1142 war die  verwitwete mährische Markgräfin Gerbirg, eine Schwester des  Markgrafen Leopold III., des Heiligen.

   Mühle und  Bäckerei: der um 1970 geschliffene Pfisterhof (heute  Wohnhaus und Garagenanlage mit Aufschrift “Winzerhof  Dockner”)

   Die  Blasius-Kirche in Klein Wien dürfte neben der 1074 vom  Salzburger Erzbischof Gebhard - einem engen Freund Altmanns -  geweihten Klosterkirche des Stiftes Admont die älteste  Blasius-Kirche Österreichs sein. (Das Altmanni-Bründl in  Steinaweg wird seit Alters her mit der Erzählung in der Vita  Altmanni verbunden, der zufolge Altmann, Gebhard und Adalbero  einander an einer Quelle als Studenten prophezeit hätten,  jeder würde Bischof werden und ein Kloster  gründen.)

    

    Gotische Kirche

   Die heutige  gotische Blasius-Kirche wurde um 1440 großzügig errichtet und  mit Fresken geschmückt (diese wurden 1990 entdeckt, aus  Geldmangel jedoch bisher nicht freigelegt).

   1440 verlieh  das in Basel tagende Konzil der capella sancti Blasii de  Sancto Blasio (“Kapelle des Hl. Blasius von St. Blasien” -  damals hieß die kleine Ansiedlung noch nicht Kl. Wien, sondern  St. Blasien) einen Ablass. Die Gebäude der Kapelle seien “von  Neuem aufgebaut” bzw. befinden sich im Aufbau.

   Sieben Jahre  später gab es offenbar immer noch Finanzierungsprobleme, denn  1447 verlieh Kardinal Johannes Carvajal, Päpstlicher Legat für  Deutschland, erneut einen Ablass “der St. Blasiuskapelle beim  Göttweiger Berg, welche in ihrer Baulichkeit sehr schadhaft  ist” und der “Georgskapelle auf dem Göttweiger Berg”. Der  Ablass sollte allen zuteil werden, welche die Kapelle  besuchten, die Sakramente empfingen und etwas zur Reparatur  und Erhaltung spendeten bzw. einen Beitrag für Kelche, Bücher  und andere Schmuckgegenstände leisteten.

    

   Barocke Umgestaltungen

   

   Um 1610 wurde der heutige (Orgel-)Chor eingezogen und der Hochaltar  aufgestellt (Maler Hans Kolbl und Bildhauer Kilian Fux - beide  aus Krems). Anfangs des 18. Jahrhunderts (1707 und 1708)  erreichten die Einnahmen der Basius-Kirche etwa die Hälfte  jener der Göttweiger Stiftskirche. Die Kremser  Mariazell-Pilger machten hier regelmäßig Station - und  spendeten.

   1733 ließ der aus der Steiermark gebürtige Prior-Pfarrer Gregor  Schenggl aus Dankbarkeit für alle Gnaden, die er in seiner  Jugend in dem dem Hl. Blasius geweihten Stift Admont empfangen  hatte, die St. Blasius-Kirche renovieren. Aus dieser Zeit  stammen der Dachstuhl (trägt heute noch die Jahreszahl 1733),  ein neues Hochaltarbild (heute an der Südseite), die  Seitenaltäre und die Kanzel. 1736 kaufte er die heutige Orgel  an. Die Verglasung wurde erneuert. Eine alte Scheibe trägt  heute noch eingeritzt das Datum 23. Dezember 1692 und  den Namen Maria Fränkh).

      

   Am 28. Mai  1733 wurde in Gegenwart der Äbte von Göttweig und Dürnstein  sowie des ganzen Konvents das Kreuz auf das von Abt Gottfried  Bessel gestiftete “Türmerl” feierlich aufgesetzt.  Prior-Pfarrer Gregor Schenggl ließ ein “Mirakelbuch” anlegen,  in dem Wunder aufgezeichnet wurden, die sich nach dem Verzehr  des Blasius-Brotes ereignet hätten. Aus Dankbarkeit für  erlangte Hilfe komponierte Johann Georg Zechner der  Blasius-Kirche eine Motette (mehrstimmige Gattung der  Vokalmusik - heute auf CD erhältlich!). Unter Kaiser Joseph  II. wurde die Pfarre Göttweig geteilt. Von 1784 bis 1795  existierte eine Pfarre Steinaweg mit Sitz in Kl. Wien. Zu ihr  gehörten auch Paudorf, Hörfarth, Meidling und die  Holzfällersiedlungen Weitenwald und Ginglsee.

    

       19. und 20. Jahrhundert

   Unter dem aus  Paudorf gebürtigen Abt Engelbert Schwertfeger wurde die  Blasius-Kirche um 1860 renoviert. Der Abt stiftete drei  Glocken (von denen 1917 zwei abgeliefert werden mussten).  Schwertfeger wollte anstelle des Türmerls einen richtigen Turm  bauen. Der Plan ist heute noch vorhanden, gelangte jedoch nie  zur Ausführung.

   In der Zeit  des NS-Regimes wurde die Blasius-Kirche zur Quasi-Pfarrkirche.  Pfarrer Benedikt Ramoser hatte Wohnung und Kanzlei in Kl. Wien  (Kloster der Englischen Fräulein). Hier verbrachte der spätere  Kardinal Franz König nach Kriegsende Erholungsurlaube. Er  feierte Gottesdienste und taufte auch. Unter Prior-Pfarrer  Benedikt Ramoser wurden 1951 die Sakristei erweitert und  der Dachreiter erneuert. 1954 wurde die Kirche bergseitig  trockengelegt.

   1988/89 wurde  die Kirche außen renoviert und 1990 innen neu gemalt.  Gesamtkosten: 1,7 Mio. Schilling. 1.500 freiwillige  Arbeitsstunden wurden geleistet.

   


   2004/2005 wurde die Kirche restauriert.  Eine umfangreiche Publikation ist in Vorbereitung.

   


Pfarre Paudorf-G.    Hellerhof